Tell (2015) – Deutsch

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Ein heroisches Singspiel mit Texten von Friedrich Schiller
von Komarov/Gaudenz/Arnold

Das Volk ist zusammengekommen. Man gibt den «Tell». Vier Helden besingen vergangene Taten, ihre Einsamkeit und die Endlichkeit des Daseins. Ein Chor und ein Quintett unterstützen die Opernsingenden in ihrem Ringen um Freiheit. Einfache szenische Konstellationen lenken den Blick auf unsere Sehnsucht nach verbindlichen Geschichten und wahren HeldInnen.

Der Mythos «Wilhelm Tell», die beliebteste Gründungserzählung der Schweiz, steht unter Denkmalschutz. Seit den 60er-Jahren wird er kontinuierlich demontiert und kann heute dem Bereich der folkloristisch-beliebigen Belanglosigkeiten zugerechnet werden. «Tell» ist ein viel gespieltes Stück – die sprachgewaltige Fassung von Friedrich Schiller ist ein sicherer Wert – in allen Formaten, nicht-mehr-ganz-Schulstoff und Projektionsfläche für schweizerische Eigenheiten. Sie erzählt von freien Bauern, die sich gegen die bösen Vögte zusammenschliessen und gegen die Unterdrückung kämpfen. Vier Opernsingende und fünf Musizierende erzählen diese unerhörte Geschichte in Liedern. Unterstützt werden sie vom Tellen-Chor und der mentalen Aufladung amerikanischer Superhelden. Der intime Abend aktualisiert Kennzeichen des Mythos, vermeidet aber umfassende Deutungsansprüche. Diesen dürfen unsere Zuhörenden selber herstellen.

Premiere: Dienstag, 19. Mai 2015, Rote Fabrik Zürich, Fabriktheater
MAI: Zürich, Rote Fabrik: Do 21.5., Fr 22. 5., S0 24.5
JULI: Uster, Hinterhaltfestival : Samstag, 4. Juli 2015
NOVEMBER: Zürich, Rote Fabrik: Do 19., Fr 20., Mo 23. Nov., 20 Uhr /So 22. Nov, 18 Uhr
NOVEMBER: Basel, Gare du Nord: Mi 25.11., Do 26.11. 2015
DEZEMBER: Schaffhausen, Kunsthalle Vebikus: Fr. 11.12. 2015
FEBRUAR 2016: Chur, Theater Chur: Do. 4.2. und Fr. 5.2. 2016
APRIL 2016: Bern, Tojo Theater: Fr. 8.4. und Sa. 9.4.2016

GESANG/SPIEL: Jeannine Hirzel, Philipp Caspari, Niklaus Kost, Raphaël Favre | MUSIK: Jan Ratschko, Nina Hitz, Christian Wolfarth, Ilja Komarov, Trixa Arnold | CHOR unter Leitung von Patric Ricklin | KOMPOSITION: Ilja Komarov | REGIE: Corsin Gaudenz | DRAMATURGIE: Trixa Arnold | KOSTÜMBILD: Nicole Henning | BERATUNG BÜHNENSETTING: Frieda Schneider | PRODUKTIONSLEITUNG: Lukas Piccolin | Eine Produktion des Vereins Freies Musiktheater Zürich in Koproduktion mit Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Gare du Nord Basel und dem Stadttheater Chur. | Gefördert durch Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Kulturelles Basel, Stadt und Kanton Schaffhausen, Stadt und Kanton Bern und Schweizerische Interpretenstiftung.

Mit «Tell» eröffnet Corsin Gaudenz eine Trilogie über Praktiken immaterieller Kultur.

Pressestimmen

Tom Hellat über Tell, Tages Anzeiger (2015)
Die neuste Produktion «Tell» beginnt unverkrampft mit einem leisen Glockengeläut im Hintergrund – keine Angst vor Klischees also. Regisseur Corsin Gaudenz und Dramaturgin Trixa Arnold erzählen Schillers Geschichte sehr ruhig, sehr unverstellt. Dabei geht es ihnen nicht um eine Heldenerzählung, sondern um Projektionen ins Innere der Figuren. (…) Randfiguren treten in den Mittelpunkt, Fussnoten werden zum Haupttext erhoben (…) Figuren werden zu Menschen. Ein so unverkrampftes Dur und Moll ist selten zu hören in neuer Musik. (…) Der Komponist Ilja Komarov buchstabiert keine Kataloge durch. Vielmehr zwinkert stets der Schalk durch die Melancholie der Musik. Am ehesten liesse sich das als konservative Avantgarde. Von beiden Welten das Beste: hier die Würde historischer Ausdrucksformen, und dort das Recht sie zu mischen, zu brechen und zu einem neuen Klangbild zu formen. (…) Das ist nach Jahrzehnten der überdrehten Dekonstruktion viel. Sehr viel. Vielleicht sogar ein Zeichen für eine neue Moderne.

Thierry Frochaux über Tell, PS (2015)
Nach Tanz, Theater, Zirkus widmet sich Corsin Gaudenz mit «Tell» neuerdings dem (Opern)Gesang. Zum freudigen Erstaunen stimmt das in Kooperation entwickelte neue Spielfeld in sich selbst schon wieder. (…) Der Schalk des Abends drückt überall durch. (…) Kreisförmig angelegt, schaut das Publikum in die Mitte der Bühne, wo sich die MusikerInnen wie ein winzige Freifläche als Auftrittsmöglichkeit für die Singenden befinden. (…) Wie bereits in vorangegangenen Projekten sticht die annähernde Perfektionslust in vielen, kleinen Details heraus.

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© Fotos by Julia Hintermüller